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299 Der Weg in den Krieg Der Weg in den Krieg Grundlagen der NS-Außenpolitik Die Öffentlichkeit in den europäischen Staaten beobachtete mit Misstrauen die nationalsozialistische „Machtergreifung“: den NS-Straßenterror, die Aushöhlung der Weimarer Verfassung, die Ausschaltung der Parteien sowie die einsetzende antijüdische Politik. Aber Hitler beließ zunächst den bisherigen Außenminister Konstantin von Neurath im Amt. Dies schien die Kontinuität der Weimarer Außenpolitik zu verbürgen, die auf diplomatischem Weg versucht hatte, eine Revision des Versailler Vertrages und poli tische sowie militärische Gleichberechtigung zu erreichen. Die Pläne Hitlers blieben aber nicht bei einer Revision der Versailler Regelungen stehen (u M1 und M2). Ziele seiner Außenpolitik waren die Eroberung von „Lebensraum“ im Osten Europas und die Herrschaft der „arischen Rasse“. Die Zerschlagung der kommunis tischen UdSSR und zugleich des „jüdischen Bolschewismus“ insgesamt bildeten den eigentlichen Kern von Hitlers außenpolitischem Programm. Letztendlich sollte wohl die Beherrschung eines europäischen Imperiums als Ausgangspunkt dienen, im Bündnis mit Japan und eventuell Großbritannien in einem Krieg der Kontinente gegen die USA die Weltherrschaft des Deutschen Reiches zu vollenden. Hitler ging dabei in den Dreißigerjahren keineswegs nach einem bestimmten Plan vor, sondern reagierte jeweils mit Skrupellosigkeit auf die Veränderungen der internationalen Politik – und er hatte Glück. Bruch mit Versailles Schon im Oktober 1933 trat das Deutsche Reich aus dem Völkerbund aus. Im Januar 1934 schloss es einen Nicht angriffspakt mit Polen und durchbrach damit die außenpolitische Isolation. Die Sow jetunion war jetzt gewarnt und suchte den Schulterschluss mit den ehemaligen Alli ierten. Im September 1934 trat sie dem Völkerbund bei. Schon im Juli 1934 hatte Hitler einen nationalsozialistischen Putsch in Österreich vorangetrieben, um den 1919 von den Alliierten verbotenen Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich vorzubereiten. Die Aktion scheiterte am massiven Einspruch des Nachbarlandes Italien. Mussolini drohte mit militärischem Eingreifen. Am 13. Januar 1935 fand die im Versailler Vertrag vorgesehene Volksabstimmung über die Zukunft des Saargebietes statt. Das Votum von 91 Prozent der Bevölkerung für die Rückkehr ins Deutsche Reich feierte das Naziregime als großen Erfolg. Kurz darauf erklärte Hitler alle Rüstungsbeschränkungen des Versailler Vertrages für nichtig und führte die allgemeine Wehrpfl icht wieder ein. Drei Monate später, am 18. Juni 1935, kam sogar ein deutsch-englisches Abkommen zustande, in dem die relative Stärke der Flotten beider Länder festgeschrieben wurde. Damit hatte sich ein Siegerstaat über das Verbot hinweggesetzt, militärische Abkommen mit Deutschland zu schließen. Im März 1936 besetzten deutsche Truppen das entmilitarisierte Rheinland. Die Westmächte reagierten auch auf diese Vertragsverletzung nur mit Protesten. Der Versailler Vertrag war bedeutungslos geworden. i „Spineless ‚Leaders‘ of Democracy.“ Englische Karikatur von David Low von 1936. p Analysieren Sie die Einstellung des Karikaturisten zur Demokratie. p Interpretieren Sie die Haltung des Zeichners gegenüber der englischen Politik. p Erörtern Sie die Bedeutung einer nichtdeutschen Quelle für unser Geschichtsbild vom „Dritten Reich“. 32015_1_1_2015_Kap3_260-351.indd 299 01.04.15 11:00 Nu r z u Pr üf zw ec ke n Ei ge nt um d es C .C . B uc hn er V er la gs | |
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